Das „Architektengespräch“

Die Vorbereitungen der Dauerausstellung „IN LAPIDE REGIS – Auf dem Stein des Königs“ befinden sich in der heißen Phase. Im April diesen Jahres haben unsere Museologen anlässlich eines Arbeitstreffens unter anderem auch die Szene des sogenannten „Architektengesprächs“ nachgestellt, damit sich die Figurenbauerin ein genaues Bild von der Anordnung, Gestik und Mimik der Figuren machen konnte.

Museologen stellen die Architektenszene dar

Erstes Probestehen für die Architektenszene – unsere Museologen zeigen ihre Schauspielkünste…

Das vom 7. September 1567 datierende Gutachten des Festungsarchitekten Pietro Ferrabosco stellt einen historischen Meilenstein für die Entwicklung des Königsteins als Festungsstandort dar. Im gleichen Jahr inspizierte der italienische Baumeister im Auftrag des Kurfürsten August das Felsplateau des Königsteins. Seine Aufgabe war es, ein Gutachten und Pläne darüber anzufertigen, wie der Tafelberg sicher befestigt werden könne. Der kurfürstliche Beamte Paul Vogel aus Freiberg begleitete ihn dabei und protokollierte die vorgeschlagenen Maßnahmen, um den Bericht alsdann an den Kurfürsten zu übermitteln.

Ein nettes Zitat aus dem Bericht Vogels lautet:

„Entlich wenn das alles also gebauett würde, und sonderlich das unten der bergk verhauen, und die beume hinwegk gereumett weren, unnd obenn mit der Brustwehre wol verwarett, unnd sonderlich das thor gnugsam befestiget, so heltt der Kay. Mt. Baumeister darfür, das der Baw würde eine unüberwindtliche feste werdenn, unnd uber das gar ein lustig ortt, des sommers zubewohnen.“ Also ahnte schon Ferrabosco, dass der Königstein ein wichtiger Ort für die Verteidigung des Landes und die Repräsentation des Hofes werden würde.

Gotischer Faltstuhl und Tisch

Noch etwas zu hell um historisch zu wirken: der frisch gelieferte Faltstuhl und der passende Tisch. Hier wird unser Tischler noch optisch nachhelfen.

Im August lieferte die Tischlerei Wich-Glasen den Nachbau eines gotischen Faltstuhls und eines passenden Tisches für die nachgestellte Szene mit Ferrabosco und Vogel. Der Faltstuhl war ein typisches Utensil für Reisende dieser Zeit. Der Nachbau wurde nach einem Original aus dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg angefertigt. Die aufwendigen Arbeiten wurden von der Tischlerei hier dokumentiert.

Zusammenklappen des Faltstuhls

Mit einigen Handgriffen ist der gotische Faltstuhl zusammengeklappt. Dazu muss die Lehne entfernt und die scherenartige Sitzfläche gefaltet werden.

Museologe mit zusammengeklapptem Stuhl

Zum Abtransport bereit – der praktische Faltstuhl von vor 450 Jahren.

Die Figurenbauerin Lisa Büscher schickte uns jüngst ein Foto vom Arbeitsstand der Figuren für das „Architektengespräch“. Kopf und Hände fehlen noch, aber die Geste des Architekten ist schon erkennbar, oder?

Zwei Museologen stellen das Architektengespräch nach

Auf diese Szene hat man sich geeinigt: links sitzt und protokolliert Paul Vogel, rechts macht Pietro Ferrabosco seine Ausführungen, typisch für Italiener natürlich mit viel Gestik.

Aus Kunststoff geformter Figurenkörper

Das soll die wild gestikulierende Figur Ferraboscos werden.

Der um 1511 im norditalienischen Como geborene Ferrabosco trat zunächst mit etwa 30 Jahren als Hofmaler in Habsburgische Dienste. Bald übertrug man ihm Aufgaben zur Inspektion und Bau von Festungen in Ungarn, Österreich, Böhmen, Rumänien und Mähren. Insbesondere seine Befestigungen in Wien zur Zeit der Türkenkriege machten ihn berühmt. Aufgrund seiner Expertise wurde er auch vom sächsischen Kurfürsten zur Begutachtung des Königsteins herangezogen.

Das „Architektengespräch“ wird in der Dauerausstellung zusehen sein, die voraussichtlich ab Mai oder Juni 2015 eröffnet wird. Dort kann man den Italiener Ferrabosco und den Sachsen Vogel beim Gespräch belauschen. Alle aktuellen Informationen zur Ausstellung stehen auf unserer Webseite. Alle Berichte zur Entstehung der Ausstellung sind unter dem Tag „Dauerausstellung“ im Festungstagebuch eingetragen.

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