Bauen wir doch mal eine Kanone!

Am Vortag des „2. Kanonendonner über dem Elbtal“ ziehen die ersten Kanoniere bereits am Vormittag auf der Festung ein und bereiten sich auf ihren großen Tag vor. In diesem Jahr werden 25 Geschütze aufgefahren und über 200 Kanoniere aus europäischen und amerikanischen Artilleriebrigaden präsentieren sich in historischen Uniformen.

Im Kommandantengarten haben einige Brigaden schon am Mittag ein großes Biwak aufgeschlagen, so auch die Kurfürstlich Sächsische Kanoniere „August des Starken“ 1730. Ihre beiden Kanonen haben sie schon gegenüber der Georgenburg postiert und die Zelte aufgestellt.

Kartoffeln kochen über offenem Feuer

Bei den Lichtensteiner Kanonieren werden die Kartoffeln natürlich über offenem Feuer gekocht.

Nun ist Zeit für eine kleine Plauderei. Der Kapitän der Kanoniere gibt bereitwillig Auskunft über seinen Schützenverein aus Friedersdorf (Oberlausitz) und seine Begeisterung für historische Geschütze.

Wie kommt man eigentlich auf die Idee, Kanonen nachzubauen und als Kanonier durch die Lande zu ziehen?

Wie bei jedem anderen Hobby muss man „einen Knall haben, sonst funktioniert es nicht“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Unser Schützenverein Friedersdorf zu dem die Kurfürstlich Sächsischen Kanoniere gehören, will Geschichte erlebbar, „die Welt von damals“ veranschaulichen. Wir Kanoniere wirken bei der Darstellung geschichtlicher Ereignisse mit und treten bei Heimatveranstaltungen auf.

Bis 1996 verfügte der Verein über zwei kleinere Mörser aus früheren Zeiten. Dann kam die Idee auf: „Bauen wir doch mal eine Kanone!“ Gesagt – getan und so wurde eine kleine Kanone mit 57mm Kaliber in viel mühevoller Handarbeit gebaut. Es dauerte nicht lange, da war uns die „Kleine“ zu klein – und wir wollten eine größere Kanone bauen. Anregungen und Hilfe für den Bau bekamen wir bei zahlreichen Besuchen auf der Festung Königstein durch die hier ausgestellten Kanonen. Freundlicherweise hat uns Herr Busse von der wissenschaftlichen Abteilung der Festung historische Zeichnungen überlassen, anhand derer wir Kanonenrohr und Lafette nachbauen konnten. Fünf Jahre hat es gedauert, bis unser 90mm-Kaliber im Jahr 2005 eingeweiht werden konnte. Für das Kanonenrohr musste zunächst ein Holzmodell in Originalgröße angefertigt werden – und nach diesem Modell haben wir das Rohr dann in Berlin gießen lassen. Es wiegt allein schon 880 Kilogramm, zusammen mit der Lafette wiegt die Kanone 1,5 Tonnen.

Hier auf der Festung wird ja mit Böllern geschossen, aber habt Ihr Kanoniere auch irgendwo die Möglichkeit „scharf“ zu schießen?

„Ja, nur „böllern“ reicht uns natürlich nicht“, lacht der Kapitän, „wir wollen auch mal mit echten Kanonenkugeln schießen. Und das geht tatsächlich auf dem Truppenübungsplatz Sondershausen, nachdem der Verband der Schwarzpulverkanoniere (VDSK) für unser großes Kaliber eine Zulassung erwirkt hat. Dort werden sogar Europameisterschaften von Kanonieren ausgetragen. Beim Zielschießen wird aus 100 bzw. 200 Meter Entfernung auf Schießscheiben von 1×1 Meter geschossen. Bei den Deutschen Meisterschaften 2012 haben wir mit unserer großen Kanone sogar beim 200Meter-Schießen den 1. Platz belegt. Auch mit unserer kleineren 57mm-Kanonen haben wir 8 Jahre lang in Beelitz an Wettbewerben teilgenommen.

Wie oft seid ihr mit Euren Kanonen unterwegs?

Wir bekommen von überall her Anfragen zum Böllerschießen, aber da wir alle berufstätig und das in unserer Freizeit machen, können wir diesen Einladungen meist nicht nachkommen. Aber bei einem Highlight wie dem Kanonendonner über dem Elbtal müssen wir einfach dabei sein.

Ist die Arbeit als Kanonier gefährlich?

Die Ladung wird von vorn in das Rohr gesteckt und mit dem Ladestock nach unten geschoben

Die Ladung wird von vorn in das Rohr gesteckt und mit dem Ladestock nach unten geschoben

Da das Böllerschießen mit Schwarzpulver funktioniert, welches hochexplosiv ist, ist der Umgang mit den Kanonen natürlich nicht ungefährlich. Es passieren immer wieder Unfälle mit schweren Verletzungen bei den Kanonieren. Aus diesem Grund gibt es strenge Restriktionen für den Umgang mit Schwarzpulver. Man muss einen sogenannten „Schwarzpulverschein“ haben, ähnlich einem Waffenschein, um überhaupt mit den Kanonen arbeiten zu dürfen.
Zudem muss die Kanone „beschossen“ sein. Das bedeutet, dass sie mit doppelter Ladung bestückt und abgefeuert wird. Das muss die Kanone aushalten. Der „Beschuss“ wird von offizieller Stelle bescheinigt und ist die Voraussetzung dafür, dass die Kanone für das Böllerschießen und auch das Scharfschießen verwendet werden darf.

Kind mit Ohrenschützern vor Kanone

So geschützt kann den Ohren nichts passieren!

Und was man auf keinen Fall vergessen sollte, ist der Gehörschutz! Am besten Ohrenschützer mitbringen oder zumindest Ohrenstöpsel verwenden. Es ist wirklich sehr laut und man kann sich damit sein Hörvermögen für immer zerstören.

Vielen Dank für das interessante Gespräch! Wir wünschen für morgen viel Erfolg und Spaß beim Böller schießen!

Übrigens: Für unsere Besucher bieten wir an den Kassen kostenlos Ohrenstöpsel an – fragen Sie danach! Noch besser, wenn auch optisch etwas weniger schick, sind natürlich richtige Ohrenschützer.