„Making-of“ von Festungskommandant, Weinjunge & Co.

In dem ganzen Trubel hatte ich mal kurz einen Blick auf die Webseite unserer Figurenbauerin Lisa Büscher geworfen und dabei ein tolles Video zum Making-of von lebensechten Figuren entdeckt. Nach der Eröffnung der Dauerausstellung “IN LAPIDE REGIS – Auf dem Stein des Königs” konnte ich sie zum Bau unserer Figuren noch mal genauer befragen.

Wie lange haben Sie für die Figuren von der Idee bis zum Aufbau auf der Festung gebraucht?

Büscher: Ungefähr ein Jahr. Als erstes haben wir mit dem Kommandanten angefangen, weil es den ja bereits gab. Er sollte nur einen neuen Kopf und neue Hände bekommen. Danach haben wir die Köpfe der anderen sieben Figuren in Ton oder Plasteline modelliert und davon Negativformen gebaut. Diese werden dann mit Silikon und PU-Schaum ausgegossen. Das Gesicht des Fotografen, war natürlich am schnellsten gemacht. Der versteckt sich ja unter dem Tuch seiner Kamera, weshalb wir da nicht ins Detail gegangen sind.

Die alte Figur des Festungskommandanten auf einem Wagen

Dieses Foto entstand im April 2012 beim Auszug des Festungskommandanten aus seinem Haus.

Figur des Festungskommandanten von Oer

Mit neuem Kopf und neuen Händen ist der Festungskommandant von Oer 2015 in seine Wohnung zurückgekehrt.

Um die Körper herstellen zu können, haben wir uns parallel auf die Suche nach geeignete Modells gemacht, was auch eine Weile dauert, bis es wirklich passt. Außerdem müssen die Figuren auch die passenden Kleider bekommen. In dem ganzen Prozess wanderten sie oft zwischen Kostümbildnern und uns hin und her. Jede Figur ist ein wenig wie ein Puzzle, das Stück für Stück zusammengesetzt wird. Man muss sich dabei ganz genau überlegen, welches Teil nochmal abgemacht werden muss oder welches schon fixiert werden kann.

Figur des Fotografen wird montiert.

Der Fotograf, der sein Gesicht verbirgt. Er ist im Raum zum 1. Weltkrieg zu finden.

Welche Herausforderungen ergaben sich beim Bau der Figuren?

Büscher: Eine besondere Herausforderung ist die Basis nach der wir Arbeiten, die historischen Vorlagen. Das sind in diesem Falle Gemälde oder Münzen gewesen. Manchmal hat man nur ein Bildnis, bei anderen Figuren viele, aber unterschiedliche Vorlagen. Außerdem sieht jeder diese Bilder etwas anders.

So hat der erste metallene Brustpanzer für Friedrich Wilhelm I. nicht ganz der Auffassung der Festungsbesatzung entsprochen. So dass wir diesen von unserer Kostüm- und Bühnenbildnerin Alexandra Hahn noch einmal aus Styropor schnitzen lassen haben. Dieser wurde dann mit Fiberglas bei uns laminiert, um dann wieder von Alexandra bemalt und geschliffen zu werden, so dass er wie Metall aussieht. Augusts Brustpanzer war aber beim ersten Versuch vom Schmied schon gelungen, deshalb hat er einen echten sogenannten Kürass aus Metall.

Die Figur Friedrich Wilhelms wird von Figurenbauerin und Kostümbildnerin auf das Spiegelpodest montiert

Der Küraß Friedrich Wilhelms I. ist täuschend echt gelungen. Hier heben Alexandra Hahn und Lisa Büscher den Soldatenkönig an seinen Platz auf dem Spiegelpodest.

Wer stand für die Figuren Modell? Wie finden Sie die passenden Leute?

Büscher: Da schaut man sich zunächst bei Bekannten und Kollegen um, wer da in Frage käme. Wir haben aber auch Anzeigen geschaltet. Wir brauchten verschiedenste Körper- und Handmodelle. Für eine Figur wie die Gräfin Orzelska wird es schon schwierig. Wespentaillen von 52 cm sind nicht gerade aktuell und wurden auch damals nur durch das Tragen von Korsetten erreicht. Da legen wir nach dem Abformen dann das Messer an und schnitzen die Taille an der Figur aus Kunststoff zurecht.

Haben Sie dafür auch so wie in Ihrem Video jemanden eingegipst?

Büscher: Ja! Bei allen Figuren.

Das muss man gesehen haben!

Was ist Ihr liebstes Detail an den Figuren?

Büscher: Jede der Figuren hat da ihre kleinen Besonderheiten, sei es der Schnitt vom Rasieren im Gesicht des Kommandanten oder die Muttermale und feinen Nackenhaare der Orzelska.

Gräfin Orzelska und Lisa Büscher

Orzelskas feine Muttermale sind hier im Posing-Foto der beiden Damen zu sehen.

Beim Aufbau der Figuren war noch eine Spontan-OP am „Weinjungen“ notwendig, was war da passiert?

Büscher: Das war so geplant. Wir haben dem Weinjungen ein Loch für die Befestigungsstange in den Ellenbogen gebohrt. Um sie dann final zu befestigen werden die Ritzen drumherum mit PU-Schaum ausgeschäumt. Das einzige Problem war die Temperatur in dem Raum. In den alten Festungsmauern war es ziemlich kalt, so dass die Chemikalien nicht so reagierten, wie sie das bei normalen Zimmertemperaturen tun. Das haben wir dann in einem wärmeren Raum gelöst.

Figur des Weinjungen am Boden liegend

Elin Seth und Lisa Büscher bei der „OP“ am Weinjungen

 

Figur eines Jungen mit Weinkrug

Der „Weinjunge“ in seinem endgültigen Domizil – er holt für die höfische Gesellschaft Wein aus dem Keller

Also alles gut gegangen. Vielen Dank für das Interview!

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