Drache & Phönix auf der Festung Königstein

Zur feierlichen Eröffnung der diesjährigen Sonderausstellung „Die Stadtmauer von Nanjing – Schutzwall der Ming-Kaiser“ am 5. April 2017 konnten wir hochrangigen Besuch aus Fernost begrüßen: eine 10-köpfige Delegation aus China, unter Ihnen der stellv. Direktor des Stadtmauermuseums, Herr Qidong Chen und die Direktorin der Abteilung für auswärtigen Kulturaustausch des Kulturamtes der Stadt Nanjing, Frau Jibin Ge. Zum ersten Mal in der Geschichte der Festung waren offizielle Gäste aus China zu Gast auf der Festung Königstein.

 

Ganz besonders freuten wir uns auch über den Besuch von Frau Dr. Eva-Maria Stange, die zum ersten Mal in ihrer Funktion als Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst auf die Bergfestung kam. Die Ministerin würdigte die neue Ausstellung „als Ergebnis eines gelungenen bilateralen Kulturaustausches“. Die im Frühjahr 2016 begründete sächsisch-chinesische Museumspartnerschaft zwischen der Festung Königstein und dem Stadtmauermuseum Nanjing soll auch in Zukunft Früchte tragen – durch Ausstellungen, Begegnungen sowie durch wissenschaftliche Forschung und Wissensvermittlung.
So ist für das Jahr 2019 eine Ausstellung über die Bergfestung als erste Sonderausstellung im Neubau des Stadtmauermuseums in Nanjing geplant.

Die aktuelle Ausstellung in der Magdalenenburg präsentiert Vergangenheit und Gegenwart der Stadtmauer der chinesischen Metropole Nanjing. Das monumentale Bauwerk aus dem 14. Jahrhundert wurde aus circa 100 Millionen eigens dafür hergestellten Ziegeln erbaut und war einst 33 Kilometer lang. Mit ihren heute noch erhaltenen 25 Kilometern ist sie die längste Stadtmauer der Welt.

Besucher der Ausstellung erleben die gigantischen Dimensionen der Stadtmauer am eindrucksvollsten mit dem circa 20-minütigen Drohnenflugfilm auf einer Großbild-Leinwand im „Mediensaal“. Der Film zeigt die Stadtmauer in der heutigen Millionenstadt aus der Vogelperspektive – und überrascht den Zuschauer auch damit, wieviel „Grün“ die Metropole am Jangtse mit Parkanlagen und Alleen zu bieten hat.

Etwas rätselhaft erscheint den Besuchern im ersten Moment die Installation in der Mitte des Saales: eine alte Kartendarstellung der Stadtmauer aus dem 17. Jahrhundert auf dem Boden und an der Decke genau darüber eine kreisrunde Darstellung des Sternenhimmels. Zwei Sternbilder sind rot markiert. Des Rätsels Lösung finden Besucher an den Medienstationen, die die Karte flankieren. In einem Video erklärt Prof. Guoqing Yang, Assistenzprofessor am Stadtmauermuseum Nanjing, seine These zum Zusammenhang dieser beiden Karten. Da der Einfluss der Sterne auf die Menschen in China seit jeher eine große Rolle spielte, ist dem Thema Astrologie eine weitere Medienstation gewidmet. Die Besucher können ihr persönliches chinesisches Horoskop oder den Sternenhimmel am Tag ihrer Geburt erstellen und den Ausdruck mit nach Hause nehmen oder sich per E-Mail senden.

Kinder werden vor allem an der interaktiven Station „Schattenspiel von Drache und Phönix“ Gefallen finden. Die Kinder können die Fabelwesen mit Hilfe zweier Stangen in Bewegung versetzen und wie im chinesischen Schattenspiel miteinander tanzen lassen.

Frau Dr. Taube erklärte in Ihrer Eröffnungsrede, was die Festung Königstein mit diesen beiden tierischen Mischwesen aus der chinesischen Mythologie verbindet:

Das chinesische Motiv „Longfeng chengxiang“ bedeutet übersetzt „Drache und Phönix bringen besonderes Glück“. Seit mehr als 2000 Jahren sind die beiden tierischen Wesen eng miteinander verbunden – und positiv besetzt. Der Drache ist ein Symbol für den Kaiser und der Phönix für die Kaiserin. Gemeinsam verkörpern sie den Segen für ein langes Leben.

Der Drache beschützt, er verleiht Mut und Kraft. Der Phoenix hilft beim Überwinden von Hindernissen und stärkt das Durchsetzungsvermögen. […]

Mir persönlich sind die beiden Wesen in Gestalt von zwei Menschen begegnet, die mich am 4. Februar 2015 in meinem Büro besucht haben. Allerdings ahnte ich damals noch nicht, welch ein Glück sie uns – der Festung Königstein und unseren Besuchern – bringen würden.

Ich spreche von Herrn Professor Yang und der Sinologin Cathleen Päthe, die an diesem denkwürdigen Tag den Wunsch des Stadtmauermuseums Nanjing nach wissenschaftlicher und musealer Zusammenarbeit an uns herangetragen haben.

Seit diesem ersten Kontakt sind gute zwei Jahre vergangen. Im Mai 2016 gab es einen Gegenbesuch unsererseits in Nanjing, bei der eine Vereinbarung zwischen der Festung Königstein gGmbH und dem Stadtmauermuseum Nanjing über die Zusammenarbeit, vor allem über die Gestaltung von Ausstellungen im jeweils anderen Land, unterzeichnet wurde.

Mit der Eröffnung der Ausstellung „Die Stadtmauer von Nanjing – Schutzwall der Ming-Kaiser“ auf der Festung Königstein ist heute ein Etappenziel erreicht. Damit reihen wir uns ein in die Geschichte der guten Beziehungen zwischen dem Freistaat Sachsen und der Volksrepublik China.“

 

Die Sonderausstellung „Die Stadtmauer von Nanjing – Schutzwall der Ming-Kaiser“ in der Magdalenenburg ist bis 5. November zu sehen und täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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