Puzzlespiel für Restauratoren – Renaissance-Kassettendecke in der Georgenburg freigelegt

Bei den aktuellen Sanierungsarbeiten in der Georgenburg wurden kürzlich in mehreren Räumen im ersten Stockwerk wertvolle Holz-Kassettendecken aus dem beginnenden 17. Jahrhundert entdeckt und freigelegt.

Renaissance-Kassettendecke

Versteckt unter DDR-Sauerkrautplatten und nun freigelegt: eine Renaissance-Kassettendecke aus dem 17. Jahrhundert

Die Holzdecken ließ Kurfürst Johann Georg I. im Zuge des Umbaus der alten Kaiserburg zum Jagdschloss im Renaissance-Stil einbauen. Im Jahr 1619 wurde die nach ihm benannte Johann-Georgenburg mit einer feierlichen Zeremonie eingeweiht.

Dieser „Prospect der Johann Georgen Burg, des so genandten Rösgens und Proviant-Verwalterey“ von Johann Georg Pinz aus der Ansichtenserie „Verschiedene Prospecte nach der Natur und nach dem Leben gezeichnet, auf der Weltberühmten Festung Königstein“ (verlegt von Martin Engelbrecht im Jahr 1734) gibt trotz späterer Umbauten einen Eindruck vom äußeren Erscheinungsbild der renaissancezeitlichen Georgenburg: Zwei der ursprünglich elf prunkvollen Renaissancegiebel des Jagdschlosses sind in dieser Zeit noch vorhanden.

 

Die Bauforschung nimmt an, dass alle Räume im ersten Obergeschoss mit kunstvoll bemalten Kassettendecken gestaltet waren. Sie dienten überwiegend dem Kurfürsten als Wohnräume. Das darüber liegende Stockwerk war seiner Gemahlin vorbehalten.

Bildnis Johann Georgs I.

Bildnis Johann Georg I. von Matthäus Merian, dem Älteren
Quelle: Peace Palace Library, Gemeinfrei,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32641407

 

An einem Deckenabschnitt ist heute noch die originale Zusammensetzung der Kassettendecke zu erkennen. Im Laufe der zahlreichen Umbauten innerhalb der letzten vier Jahrhunderte sind jedoch viele Teile der ursprünglichen Zimmerdecken verloren gegangen bzw. Bretter mit unterschiedlichen Motiven wurden in anderen Räumen und in veränderter Reihenfolge eingebaut.

Blumen und Rankenmotive an Renaissance-Kassettendecke

Durcheinandergewürfelt: Kunstvolle Blumen- und Rankenmotive und ganz normale Baubretter

So könnte es für die Restauratoren eine sehr knifflige Puzzle-Aufgabe werden, die Decken wieder so zusammenzusetzen, dass ein ungefähres Bild vom ursprünglichen Zustand entsteht. Es wird angenommen, dass es in jedem Raum zwei Hauptmotive gab. Die Decken-Elemente waren in jeder Richtung so angeordnet, dass sich die Motive immer abwechselten und durch schmalere, ebenfalls ornamental verzierte Holzelemente voneinander getrennt waren.

Nun gilt es, den Fund genauer zu untersuchen und das weitere Vorgehen zu planen.

Renaissance-Kassettendecke in der Georgenburg

Foto: (von links nach rechts) Kai-Uwe Beger, Sachgebietsleiter in der Niederlassung Dresden I des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB), Dr. Angelika Taube, Geschäftsführerin der Festung Königstein gGmbH, Markus Bitterlich, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Festung Königstein gGmbH, © Marko Förster

Nach der Sanierung werden die Räume, in denen die Kassettendecken freigelegt wurden, den wissenschaftlichen Mitarbeitern der Festung Königstein wieder als Büros dienen.

Vor Beginn der Sanierung der Georgenburg im Herbst 2016 hatten sie und die gesamte Verwaltung ihr Interimsquartier im Friedenslazarett bezogen. Die Bauarbeiten sollen im 2. Quartal 2018 abgeschlossen werden.

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