„Blutmond“-Fotosession auf der Festung

Um mitten in der Nacht, gegen 3:00 Uhr aufzustehen, muss bei mir schon etwas ganz besonderes anstehen: Ich bin mit 15 anderen „mondsüchtigen“ Fotografen zur EARLY BIRD Fotosession auf der Festung Königstein verabredet, um die Mondfinsternis mit der Kamera einzufangen. Noch ziemlich schlaftrunken trete ich auf den Balkon, um einen Blick auf den Mond zu werfen. Er strahlt hell und freundlich zu mir herab, aber am oberen Rand hat schon der Erdschatten ein Stück vom Mond weggeknabbert. Ich bin überrascht, dass man bereits mehr als eine Stunde vor Beginn der totalen Phase der Mondfinsternis so deutlich eine Verdunkelung sehen kann. Plötzlich bin ich ganz aufgeregt und die Müdigkeit ist sofort verflogen. Es ist eine kalte September-Nacht, knapp über dem Gefrierpunkt, also ziehe ich mich nach dem Zwiebel-Prinzip an, um beim stundenlangen Ausharren nicht zum Eiszapfen zu erstarren. Schnell die Fotoausrüstung, Taschenlampe und Handschuhe ins Auto gepackt und los geht’s zur Festung. Am Parkplatz haben sich schon ein Dutzend „frühe Vögel“ eingefunden. In den nächsten Minuten wird die Runde vollzählig, so dass wir pünktlich um 3:45 Uhr mit dem Fahrstuhl auf das Plateau fahren können. Auf der Südseite haben wir freien Blick auf die Mondfinsternis, keine Wolke stört die Sicht. Wir werden von meiner Kollegin freundlich in Empfang genommen und an der Festungsbäckerei mit Kaffee, Tee und Keksen versorgt. Die meisten Fotografen wollen aber zunächst die partielle Phase der Finsternis fotografieren, in der der Kernschatten der Erde sich immer weiter über den Mond schiebt.

Auch ich versuche mich an dieser recht schwierigen Aufgabe und bringe meine Kamera auf dem Stativ in Position: Mond anvisieren, 300mm-Objektiv voll ausfahren, manuell fokussieren, Blitz aus, Bildstabilistor aus, Blende, Belichtungszeit, ISO – alles manuell einstellen. Um im entscheidenden Moment nicht an der „Technik im Dunkel“ zu scheitern, habe ich schon ein paar Tage vorher geübt, die richtigen Knöpfe zu finden. Eine Stirnlampe ist für diesen Zweck sehr praktisch, wie ich bei meinen Kollegen sehe. Ich habe nur meine Taschenlampe dabei, aber es geht auch so.

Nun beginnt das Experimentieren mit Blende, Belichtung und ISO-Wert. Die Einstellungen, die in meinen Testaufnahmen bei „Dreiviertelmond“ ein paar Tage vorher super Ergebnisse brachten, nützen beim „Blutmond“ natürlich nicht viel, da hier viel länger belichtet werden muss. Ich versuche es also mit Blende 5.6, Belichtungszeit 2 Sekunden und ISO 3200. Selbstauslöser einstellen – auslösen – warten – klick… klack!
Ergebnis: hmmm, ein verschwommener oranger Fleck mit hellem Rand unten – toll…

Ja, ich erinnere mich, gelesen zu haben, dass der Mond bei längerer Belichtung (mehr als 1 Sekunde) auf Grund seiner Bewegung unscharf wird.

Gegen Ende der partiellen Phase: 300mm/1sek/F8/ISO 1600

Gegen Ende der partiellen Phase: 300mm/1sek/F8/ISO 1600

Außerdem sieht das Bild auf dem Display auch etwas grieselig aus. Also versuche ich es nochmal: Blende 8, Belichtung 1.3 Sekunden, ISO 400 – klick…klack! Aah, schon besser! Die Mondkrater sind nicht so gut erkennbar, wie sonst bei unverdecktem Mond, aber dafür hat die orangerote Färbung etwas Magisches! Durch die relativ lange Belichtung wirkt das rot auf dem Foto auch intensiver, als es am Himmel tatsächlich zu sehen ist. Ich taste mich langsam heran: gleiche Blende, 1 Sekunde belichten, ISO 1600 – ooh das ist es!

Als der Mond dann um 4.11 Uhr vollständig vom Kernschatten der Erde verdeckt ist, muss ich meine Einstellungen wieder korrigieren – Belichtung auf 3 Sekunden rauf, Blende weiter öffnen auf 6.5 sonst wird es zu dunkel. Das kann nicht besonders scharf werden, aber die Rotfärbung wird so schön wiedergegeben.

Der Mond liegt vollständig im Kernschatten der Erde.

Die totale Phase ist schwer „scharf“ zu bekommen.

Diese „totale Phase“ der Finsternis hält nun bis 5:24 Uhr an und ich probiere die Einstellungen hin und her, aber allzu viel ist aus dem komplett verschatteten Mond nicht „herauszuholen“. Also tue ich es meinen EARLY BIRD-Kollegen gleich und hole mir erstmal einen heißen Kaffee und etwas zu knabbern. Dann ziehe ich mit meinem Stativ auf der Festung umher, um ein paar schöne Nachtaufnahmen der Gebäude und der Umgebung zu machen. Als ich an der nördlichen Festungsmauer entlang spaziere, sehe ich, dass auch auf dem Lilienstein ganz schön was los ist. Die zahlreichen flackernden Lichtpunkte verraten uns, dass wir nicht die einzigen nachtaktiven Fotografen sind, die das Schauspiel von einem Tafelberg aus beobachten wollen.

Von hier oben haben wir einen fantastischen Blick auf einen sternenklaren Himmel – und ein von unten angestrahltes Nebelmeer über dem Elbtal. Ein unglaublich schöner Anblick, für den sich das zeitige Aufstehen auf jeden Fall gelohnt hat.

Sternenhimmel über dem nebligen Elbtal

Sternenhimmel über dem nebligen Elbtal mit Lilienstein und Friedrichsburg

Der Mond ist nur noch halb bedeckt - die partielle Phase nähert sich dem Ende

Jetzt sind auch die Krater schön zu sehen: 300mm / 1/60 Sek. / F14 /ISO 200

Ab halb 6 gibt der Schatten den Mond dann Stück für Stück wieder frei und ich versuche mich wieder an der partiellen Finsternis. Da der unbedeckte Teil des Mondes sehr hell strahlt, versuche ich es mit Blende F14, 1/60 Sekunde Belichtung und ISO 200 – nicht übel, die Krater sind deutlich zu erkennen! So probiere ich noch ein bisschen das Zusammenspiel dieser 3 Faktoren für ein optimales Bild, bis gegen 6 Uhr die Morgendämmerung anbricht. Ich stelle mich an der Königsnase, dem östlichsten Punkt der Festung, auf und beobachte fasziniert, wie lange vor dem eigentlichen Sonnenaufgang (6:59 Uhr) der Horizont schon zu glühen beginnt. Das Elbtal und auch die Stadt Königstein liegen unter einer dicken Nebelschicht, aber die Straßenlaternen lassen sie von unten leuchten und stellenweise ist auch freie Sicht auf die Straßen möglich. Perfekte Fotobedingungen – auch wenn die Finger schon lange steif sind.

Orangeroter Horizont hinter dem Lilienstein

Schon lange vor Sonnenaufgang färbt sich der Horizont hinter dem Lilienstein orange

Kurz vor dem Sonnenaufgang ziehe ich zum Blitzeichenplateau um, damit ich die aufgehende Sonne zusammen mit der großen Kanone fotografieren kann. Diese Idee hatten natürlich noch mehr „frühe Vögel“ und so bringen sich alle mit ihren Stativen in Position. 6:59 Uhr ist es dann endlich soweit – die Sonne blinzelt erst ganz zaghaft über den Bergrücken, steigt aber ganz zielstrebig weiter nach oben und strahlt nach wenigen Minuten schon mit aller Kraft über unserer wunderschönen Sächsischen Schweiz.

Magischer Moment: Die Sonne taucht über dem Bergrücken auf

Magischer Moment: Die Sonne taucht über dem Bergrücken auf

Nun ist auch das Stativ überflüssig und ich knipse was das Zeug hält. Zum Glück hat mein Akku durchgehalten. Wie ich höre, haben einige Kollegen schon mehrere Akkus leer geknipst. Aber sie hatten Ersatz dabei. Bis 8 Uhr fangen wir EARLY BIRDS noch die zauberhafte Morgenstimmung auf der Festung ein. Dann treffen wir uns noch einmal zu Kaffee und Keksen an der Festungsbäckerei – die aber um diese Zeit leider noch nicht geöffnet hat. Alle nehmen tolle Aufnahmen mit nach Hause und sind ganz gespannt wie diese dann zu Hause am PC, Mac oder klassisch entwickelt aussehen. Und was man mit Bildbearbeitung alles zaubern kann!

Die Sonne strahlt durch die Fenster der Friedrichsburg.

Die Sonne strahlt durch die Fenster der Friedrichsburg.

Wachturmausblick mit Sonnenaufgang

Wachturmausblick mit Sonnenaufgang

Die Sonne strahlt über dem Nebelmeer im Elbtal

Eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang – das Nebelmeer hält sich noch eine Weile.

Es war eine ganz besondere EARLY BIRD Session, von der uns die Teilnehmer sehr viele schöne Fotos zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt haben. Vielen herzlichen Dank dafür!

Wir freuen uns schon auf die nächste EARLY BIRD Session. Diese wird wetterabhängig in der letzten Oktoberwoche (Di, Mi, oder Do) stattfinden. Die Facebook-Aktion läuft noch bis 23. Oktober – macht mit und seid (wieder) dabei!

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