Arrestiert wegen Hochstapelei, enthauptet wegen Mordes

Aus dem Gefangenenverzeichnis:

Johann Hektor Baron von Klettenberg 1669 zu Frankfurt a. M. geboren. Auf der Festung eingeliefert: 18.3.1719. Enthauptet auf der Festung: 1.3.1720 

Er war weder Baron noch Offizier sondern Hochstapler.

1707 hatte er im Duell einen jungen Edelmann in Frankfurt a. M. erstochen und war seitdem unter falschem Namen flüchtig. Am Hof von Sachsen-Weimar trat er als Baron von Wideck auf und gab vor ein wichtiges metallurgisches Geheimnis zu kennen aber schließlich wurde er hier entlarvt.

In Leipzig verbreitete er eine Schrift: „Die entlarvte Alchemie“. Darin bezeichnete er alle bisherigen Goldmacher als Betrüger und sich als einzigen wahren Alchimisten.Mit Hilfe eines Taschenspielertricks zauberte er Gold und blendete damit August den Starken. Der machte ihn umgehend zum Kreishauptmann von Senftenberg und stellte bedeutende finanzielle Mittel für weitere Experimente zur Verfügung.

Doch machte Klettenberg in der Folgezeit hohe Schulden und konnte dem Landesherren kein brauchbares Ergebnis vorweisen. Im Sommer 1715 sollen es 24 000 Taler gewesen sein.Das brachte dem Betrüger zunächst 2 Jahre Haft auf Hohenstein in einem feuchten Loch ein, das lange Zeit danach noch der „Klettenberg“ genannt wurde.

Danach kam er auf die Festung Königstein von wo aus er zwei Fluchtversuche innerhalb eines Jahres unternahm. In dieser Zeit kam ein wiederholter Auslieferungsantrag aus Frankfurt a. M. Klettenberg wurde nach wie vor wegen seines dort begangenen Mordes gesucht. Man ließ August den Starken zwei Möglichkeiten: Klettenberg selbst hinrichten zu lassen oder ihn auszuliefern.

Der Monarch ließ ihn am 1. März 1720 in der Nähe der Königsnase der Festung hinrichten.  Als der Festungskommandant dem Klettenberg das Urteil: Tod durch Enthauptung verkündete soll der es für einen Scherz gehalten haben. Man sagt hätte darauf erwidert: „Auf meinem Sargholz singen noch die Vögel!“

Die Königsnase mit Blick auf die Stadt Königstein

Die Festungschronik schildert sein Ende: „… früh, zwischen 8 und 9 Uhr, ist er zwischen geschlossenen Piken auf der Festung herum, hinter dem Wald, gegen die so genannte Königsnase, auf einen von Schnee gereinigten Platz geführet worden, allwo er den Soldaten, welche ihm zur Seite gegangen, einen Dukaten gab, die Perücke von sich warf, denen Anwesenden für die ihm erwiesene Güte gedanket und sie wegen des ihnen gemachten Verdrusses um Verzeihung gebeten, nachher an die Umstehenden die Vermahnung getan, daß sie an ihm ein Exempel nehmen möchten, wie es zu gehen pflege… Er stürbe als ein katholischer Christ … worauf er sich selbst auskleidete, niederkniete und unter dem Zuruf des Geistlichen die Worte: Herr Jesu Dir lebe ich usw. ziemlich beherzt  und mit unverbundenen Augen, den Schwertstreich ausgehalten.

Da ihm dann das rote Kleid wiederum angezogen, die Perücke, weil er darum gebeten hatte, da solche von seinen eigenen haaren gemacht war, wieder aufgesetzt, in den Sarg geleget, auf einem Schlitten durch die Musketiere von der Festung herunter, auf den Soldatenkirchhof geführet und allda beerdigt.“

Der Ort seiner Hinrichtung ist auf dem Königstein noch heute durch einen Gedenkstein kenntlich gemacht.

Klettenberg-Stein

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