Klosterpforte in Silikonhaut & Gipsmantel

Es ist dunkel, es ist feucht und es riecht muffig – nach uralten Mauern, Mäusen und Moder.
Der Abstieg in die Tiefen der Festungsmauern unterhalb des Kasemattenrestaurants ist nichts für empfindliche Nasen und Klaustrophobie-geplagte Menschen. Doch die Mühe lohnt sich: Tief unter den Kasematten der westlichen Festungsmauer verbirgt sich eine 500 Jahre alte Pforte in der ehemaligen Burgmauer. Sie war der Zugang zum „Kloster des Lobes der Wunder Mariae“, das von Herzog Georg dem Bärtigen 1516 auf dem Königstein gegründet und von zwölf Cölestinermönchen und einem Prior bewohnt wurde.

Von außen ist diese Pforte nicht sichtbar, da im Zuge des Ausbaus zur Festung ab 1589 eine zweite Mauer davorgesetzt wurde. So entstand ein Hohlraum, der heute nur noch über Revisionsschächte zugänglich ist.

Die Klosterpforte ist eines der wenigen Zeugnisse, die vom Kloster auf dem Königstein erhalten geblieben sind – sicher auch dank ihrer verborgenen Lage. Für die Sonderausstellung „Mönche auf dem Königstein“ baut momentan ein Restauratoren-Team der ARGE Dömling und Wardak, Arbeitsgemeinschaft für Restaurierung GbR eine originalgetreue Nachbildung der Pforte.

Voraussetzung für die Nachbildung war die Abformung der Klosterpforte, welche von den beiden Restauratoren Tina Dömling und Dawid Wardak bereits im Dezember 2015 durchgeführt wurde. Es war mit Sicherheit eines ihrer kniffligsten Projekte, denn es galt zunächst die Gerätschaften durch ein 50 x 50 Zentimeter großes Mannloch etwa 12 Meter tief nach unten zu transportieren. Und schließlich musste die abgeformte Klosterpforte (Maße: 2,60 m x 2,20 m) durch das kleine Loch auch wieder herauf. Wie das funktioniert hat, lassen wir uns von Tina Dömling erklären:

Die Abformung hat 5 Tage gedauert. Das hört sich ziemlich aufwändig an.  Wie ist die Arbeit denn ablaufen?

Wir haben unsere Geräte und Werkzeuge für die Reinigung, die Beleuchtung sowie das Rohmaterial für die Abformung, also Silikonkautschuk und Gips nach unten transportiert. Zum Glück mussten wir nicht mit der ganzen Ausrüstung über die enge Stiege hinabsteigen, da passt man ja – wie der Begriff „Mannloch“ schon erahnen lässt – gerade mal allein durch. Erfreulicherweise gibt es noch einen zweiten Schacht, durch den wir alle Gerätschaften direkt vor die Klosterpforte abgeseilt haben. Dann konnte es mit der Reinigung losgehen. Mit einem Dampfreiniger, Staubsauger, Bürsten und Pinseln haben wir die alten Sandsteine vom Schmutz der Jahrhunderte befreit.

Warum war die Reinigung vor der Abformung so wichtig?

Der Silikonkautschuk, mit dem wir Oberflächen ganz genau abformen können, hätte sonst nicht richtig gehalten. Außerdem wäre das Profil verfälscht, weil viele Vertiefungen zugesetzt waren.

Und wie ging es dann weiter?

Nach der Putzaktion musste das Gestein einen Tag trocknen. Dann haben wir mit Spachtel und Pinsel eine maximal 5 mm dicke Schicht aus Silikonkautschuk aufgetragen. Diese musste dann wieder für 24 Stunden trocknen, bevor wir auf die Silikonschicht einen Gipsmantel auftragen konnten.

Wozu dient dieser Gipsmantel?

Der Gipsmantel gibt uns beim Nachbau der Klosterpforte die genaue Form ihrer einzelnen Sandsteinblöcke vor und stabilisiert vor allem später die Gussform, in die das Silikon eingelegt wird. Der Gips wurde nicht im Ganzen, sondern in 11 Blöcken angebracht, so dass er nach der Aushärtung in einzelnen Teilen abgenommen und durch das Loch in der Decke abtransportiert werden konnte.

Wie schwer ist denn so ein einzelnes Gipsteil? Und wie haben Sie die Teile heil nach oben bekommen?

Das kommt natürlich auf die Größe und den Wassergehalt an, die größten wiegen ca. 15-20kg.

In jedem Fall mussten wir beim Hochziehen sehr vorsichtig sein, damit die Teile nicht irgendwo dagegen stoßen und zerbrechen. Dann wäre die ganze Arbeit umsonst gewesen und wir hätten nochmal ran gemusst.

Abtransport der Gipsteile durch den Revisionsschacht

Die Einzelnen Gipsteile wurden durch den Revisionsschacht nach oben gezogen

Zum Glück hat alles wunderbar funktioniert, Gipsmantel und „Silikonhaut“ wurden in der Wachauer Werkstatt der ARGE Dömling und Wardak abtransportiert. Dort nimmt die Nachbildung der Klosterpforte langsam Gestalt an. Bald werden wir den beiden Restauratoren dort einen Besuch abstatten und bei der Arbeit über die Schulter schauen.

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