Zar Peter I. besucht die Festung

Heute vor 300 Jahren besuchte der russische Zar Peter I. die Festung. Auf der Rückreise von Karlsbad, wo er eine Trinkkur absolviert hatte, begab er sich auf den Königstein. Der Zar lotet bei seiner Visite eigenhändig mit Hilfe eines Strickes den 152,5 m tiefen Brunnen aus. Wahrscheinlich wollte er sich selbst davon überzeugen, dass  hier der tiefste Brunnen Sachsens zu finden ist. Außerdem bestand er darauf, die Gefangen, die in der Georgenburg einsaßen, zu sehen.

Darunter waren Romanus, einst Bürgermeister Leipzigs, der wegen Finanzmanipulationen und vereitelten Fluchplänen bis zu seinem Tode 40 Jahre auf der Festung verbrachte. Jedoch nicht alle der hochkarätigen Insassen der Festung, hatten sich eines Verbrechens schuldig gemacht. So auch Christoph Dietrich Böttger, der wegen „liederlicher Aufführung“, zwei Jahre arrestiert wurde. Er erhielt den Unterhalt von seinem berühmten Bruder Johann Friedrich, dem Porzellanerfinder. Damit war er der erste einer ganzen Reihe ungeratener Söhne von Standespersonen, die in der Abgeschiedenheit des Königsteins auf den „Pfad der Tugend“ zurückgeführt werden sollten.

Peter der Große ließ es sich nicht nehmen innerhalb der Festungsmauern zu übernachten, bevor er weiter nach Dresden fuhr, wo er bis zum 24. November blieb.

Peter I. beim Festumzug in Freiberg anlässlich der 850-Jahrfeier der Stadt

Dies war allerdings nicht der erste Besuch Peters auf der Festung. Bereits 1698 war er schon einmal auf dem Königstein. Damals war der Zar auf seiner ersten großen Reise durch Europa als Teil der „Großen Gesandtschaft“ meist inkognito unter dem Namen Peter Michailow unterwegs. Auf seiner Fahrt von Dresden nach Prag stattete er der Festung am 4. Juni dabei einen Besuch ab. Ziel der Reise war in Europa so viel wie möglich über Technik, Verwaltung, Militär, Handel usw. zu lernen, um Russland mit diesem Wissen zur europäischen Großmacht ausbauen zu können.

Zeichnung der Peter und Paul Festung

So verwundert es nicht, dass Peter I. 1703 St. Petersburg gründete, was mit dem Bau der Peter-und-Paul-Festung begann. Die beeindruckende Festung wurde auf einer Insel an der Newa errichtet. Auch sie beherbergte später wichtige Staatsgefangene. So hat der russische Revolutionär Bakunin sowohl auf dem Königstein, als auch in der Peter-und-Paul-Festung eingesessen. Zufällig war ich im Sommer dort und habe den Zaren in seiner Festung getroffen ;-).

Der Zar beobachtet die Vorführungen seiner Truppen – im Hintergrund die Stadt

Bei uns kaum vorstellbar, aber in Russland weiterhin praktiziert – eine Militärparade ohne größeren Anlass. Sogar ohrenbetäubende Salutschüsse aus den Kanonen oben auf der Festungsmauer gab es.

Militärparade

Fast wie ein Ballettensemble schwebten die Soldaten synchron über den Platz und jonglierten dabei in gefährlichem Tempo ihre Gewehre. Ein außergewöhnliches Erlebnis.

Der Tanz der Rekruten

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