In Ketten auf den Königstein – „Making of“ des Films zur Festungshaft

Am 27. Juli 2018 werden nach fast zweijähriger Innensanierung der Georgenburg die Ausstellungen zum Staatsgefängnis und zur Bau- und Nutzungsgeschichte dieses Gebäudes  wiedereröffnet.

Zur Einstimmung in das Thema „Festungshaft“ läuft im ersten Ausstellungsraum ein Kurzfilm, der die Ankunft eines Gefangenen im Jahre 1849 schildert. Als Vorlage dienten die Lebenserinnerungen des Maikämpfers August Röckel, der von 1843 bis zu seiner Verhaftung Musikdirektor am Königlichen Hoftheater in Dresden war. Röckel hatte seine Ankunft vor den Toren der Festung  in einem autobiografischen Roman beschrieben. Die Dreharbeiten für diesen Film fanden im März 2018 statt. Der Film zeigt in circa 90 Sekunden den Weg des in Ketten gelegten Häftlings von den Festungstoren bis in seine Zelle.

 

Fotos: Kathleen Biermann-Jung / Biermann-Jung Kommunikation & Film

Die Dreharbeiten für den Kurzfilm dauerten drei Tage. 18 Personen wirkten bei den Dreharbeiten mit. Es ist immer wieder erstaunlich, wie aufwändig die Produktion von Kurzfilmen ist. Kathleen Biermann-Jung erklärt: „Kurzfilme dauern zwei bis vier Drehtage, je nach Verschiedenheit der Drehorte. Wenn wie bei uns noch eine Drohne zum Einsatz kommt, verlängert sich die Drehzeit dementsprechend.“

Dabei hatte das Filmteam von Biermann-Jung Kommunikation & Film am ersten Drehtag auch noch mit dem „zu schönen Wetter“ zu kämpfen. Doch dadurch, dass der Weg von der Roten Brücke bis zur Dunklen Appareille im zeitigen Frühjahr noch fast den ganzen Tag im Schatten liegt, war das weniger schlimm. Zudem hat die Filmcrew mit dem sog. „day for night“-Verfahren gedreht, bei dem aus bei Tag oder bei Dämmerung aufgenommenen Filmszenen dem Betrachter der Eindruck einer Nachtaufnahme vermittelt wird. Viele der Gefangenen dürften nach der Überstellung mit der Kutsche erst spätnachmittags oder abends angekommen sein.
Zum Glück war dann der zweite Tag so richtig schön neblig-trüb und wolkenverhangen. Und der heftige Schneefall kam dann erst am dritten Tag, an dem die Innenaufnahmen entstanden. Perfekt!

Nachdem das Rohmaterial im Kasten ist, stehen nun Schnitt, Vertonung und Postproduktion im Studio an. Nun müssen sich die Besucher noch bis zur Ausstellungseröffnung am 27. Juli 2018 gedulden, bis sie den Film ansehen können.

In der modernisierten Ausstellung können Besucher an einer Medienstation zu den Gefangenen, die in dem berüchtigten Staatsgefängnis einsaßen, recherchieren. In der Datenbank sind Auskünfte über mehr als 1000 Insassen zu finden, wobei man nach Namen, Haftgrund und -dauer, Beruf sowie sozialer Herkunft recherchieren kann.
Die Haftgründe waren sehr vielfältig: es gab Betrüger, Diebe, Mörder, Duellanten, Majestätsbeleidiger, Hochverräter…
Neben prominenten Gefangenen aus der Umgebung des Kurfürsten oder hohen adligen Offizieren saßen auch einfache Bauern, die sich 1790 an einem Aufstand beteiligt hatten, ein. Die Gruppe der Duellanten ist übrigens die zahlenmäßig größte im Staatsgefängnis Festung Königstein.

Man findet unter den Gefangenen sehr bekannte Namen wie den Großkanzler August des Starken Wolf Dietrich von Beichlingen, den Porzellanerfinder Johann Friedrich Böttger, den Sozialdemokraten August Bebel oder den Schriftsteller Frank Wedekind.

Bevor aber  die neuen Ausstellungen im Erdgeschoss der Georgenburg einziehen, haben Besucher bereits am 27. Mai bei einem „Tag der offenen Tür“ Gelegenheit, die frisch sanierten Räume der Georgenburg zu besichtigen. Dabei können auch die Bereiche im ersten und zweiten Obergeschoss angeschaut werden, die später von der Verwaltung als Büroräume genutzt werden und dann nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich sind.

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