Chronikeintrag zum Napoleonbesuch am 20. Juni 1813

Die Chronik der Festung Königstein berichtet über den Besuch Napoleons:

„Den 20. Juni kamen unerwartet der Kaiser Napoleon nebst dem Marschall Berthier, Prinz von Neuchatel, dem Marschall Soult, Herzog von Dalmatien, und dem Divisionsgeneral CaulaincourtHerzog von Viczenza, nachmittags gegen 4 Uhr hier an.

Seine Majestät der Kaiser besah von drei vorzüglichen Punkten, desgleichen von Hempels- und Zobels-Eck aus, die Gegend. Längere Zeit weilte er an der Friedrichsburg, woselbst sich der Kaiser Napoleon über die Vorgänge, die zur Gefangennahme der sächsischen Armee führten erkundigte. Mit Vergnügen betrachtete Seine Majestät der Kaiser auch den tiefen Brunnen und trug sich mit eigener Hand in das Brunnenbuch ein. Vom Brunnenhaus aus erfolgte gegen 5 Uhr der Abstieg. Die Garnison grüßte von der Ringmauer herab, als sich Seine Majestät der Kaiser mit seinem Gefolge zurück nach Dresden begab.“

Napoleonbesuch

Bild des Napoleonbesuchs auf der Festung Königstein

Dem kaiserlichen Hauptquartier war von sächsischer Seite 1813 der Adjutant im Generalstab, Major Otto Freiherr von Odeleben, beigegeben. Dieser berichtet in seinen Buch „Napoleons Feldzug in Sachsen“, dass der Kaiser von Dresden aus die Umgebung von Pirna erkundete und schreibt dann über den Napoleonbesuch:

„Als Napoleon sich zum ersten Mal der Festung bis an die untere Zugbrücke näherte, überraschte ihn das Imposante des über seinem Haupt erhabenen senkrechten Felsens, von dessen Zinnen die Besatzung in verjüngtem Maßstabe herabschaute. Ah! rief er lächelnd, indem er die Augen nach der ungeheuren Höhe erhob. Er mochte die Beschwerde des Ersteigens scheuen und wollte umkehren. Als ihm aber gesagt ward, dass Seine Majestät eine sehr merkwürdige Aussicht von der Festung aus haben würde, wenn Sie sich nur ein paar hundert Schritte weit aufwärts bemühen wollten, so ermutigte er sich und beobachtete am Ziele mit dem größten Interesse nach der Anleitung eines Planes von der Gegend die Umgebungen vorzüglich jenen Unglücksplatz, auf dem im Siebenjährigen Kriege die sächsische Armee dem Hunger unterlag.

Nachdem der Kaiser die vorzüglichsten Standpunkte der Festung besucht und auch den Brunnen, als das Bewundernswürdigste gesehen hatte, wollte man ihn auf einem Tragsessel wieder herabtragen. Den schlug er aber lächelnd aus, nahm vom Kommandanten und den Offizieren höchst lieblich Abschied und gestand der gesamten Garnison auf der Stelle einen dreißigtägigen Gehalt als Geschenk zu.“

Freiherr von Odeleben beendet seinen Berichtüber den Napoleonbesuch mit der Aussage, dass er sich nicht erinnere, den Kaiser „jemals freundlicher gesehen zu haben“.

Quelle: Bericht des Majors von Odeleben (Napoleons Feldzug in Sachsen, im Jahr 1813 : Eine treue Skizze dieses Krieges, des französischen Kaisers und seiner Umgebungen, entworfen von einem Augenzeugen in Napoleons Hauptquartier, Otto von Odeleben. Zweite verbesserte Auflage. Dresden, 1816. In der Arnoldischen Buchhandlung. S. 232)

Anlässlich des Napoleonbesuchs auf der Festung Königstein ist noch bis Anfang November die Sonderausstellung  “Sachsen und Napoleon – ein Pakt mit dem Teufel?” zu sehen. Wie die Ausstellung entstand und welche Highlights zu sehen sind, lest ihr ebenfalls hier im Blog.