Nähkästchenplauderei mit der Gewandmeisterin

Ein Highlight in der Dauerausstellung IN LAPIDE REGIS wird das Spiegelpodest mit den lebensgroßen Abbildern von August dem Starken, Friedrich Wilhelm I. und der Gräfin Anna Orzelska sein. Heute steht der Aufbau der Figuren an, die von Lisa Büscher in ihrem Atelier Lifelike kreiert worden sind.

Ich treffe die Gewandmeisterin Gesche Brehmer aus Berlin bei den Arbeiten an der Gräfin Orzelska. Das Kleid der Gräfin hat sie in vierwöchiger Arbeit in ihrem Kostüm-Atelier in Berlin vorbereitet. Sie erzählt mir, dass sie sonst eher für Film und Theater Kostüme schneidert und dieses Projekt schon etwas Besonderes ist. Zuletzt hat sie die Oper „Der Rosenkavalier“ für das Festspielhaus Baden-Baden ausstaffiert. Heute näht die Gewandmeisterin die Orzelska ein. Dabei darf ich zuschauen und sie mit meinen Fragen löchern:

Was waren die spannendsten Momente bei der Vorbereitung?

Gesche Brehmer: Wir waren lange Zeit mit Recherchen beschäftigt. Das war sehr interessant. Als Vorlage hatten wir hauptsächlich das Gemälde von Antoine Pesne „Gräfin Orzelska“, Öl auf Leinwand, um 1730. Das Original hängt in Warschau. Wir haben uns als Erstes in die Zeit eingelesen, recherchiert, welche Stoffe damals verwendet und wie sie verarbeitet wurden. Dann haben wir etliche Stoffe bestellt und ausprobiert, ob sie unseren Ansprüchen genügen.

Portrait von Anna Orzelska mit einem Mops

Was war die größte Herausforderung beim Herstellen des Kostüms?

Gesche Brehmer: Definitiv die schönen Pailletten-Stickereien am Rock. Das ist echte Handarbeit und hat eine ganze Weile gedauert. Außerdem war es eine Herausforderung, in die teils modernen Stoffe eine gewisse Patina zu bekommen. Dafür haben wir sie beispielsweise eingefärbt. Aber auch Seidentaft, eine ganz alte Stoffart, kam zum Einsatz. Darüber hinaus hatten wir ja nur die Vorderansicht der Gräfin. Das wirft Fragen auf, wie wohl das Kleid am Rücken aussah und wie der Reifrock gebaut werden muss. Also insgesamt eine sehr spannende Aufgabe.

Was hat Ihnen als Gewandmeisterin am meisten Spaß gemacht?

Gesche Brehmer: Die Krinoline, also den Unterbau unter dem Rock herzustellen. Früher wurden die Reifen aus Fischbein oder Holz gefertigt, heute sind sie aus Stahl. Natürlich haben wir uns auch Einiges einfallen lassen, damit die Figuren in fünf Jahren noch genauso schön aussehen. Die Orzelska hat dafür zwei extra polsternde Stoffe unter den Rock genäht bekommen.

Vielen Dank für das interessante Gespräch und bis zum Wiedersehen bei der Eröffnung am 1. Mai!

Fotos zu den Aufbauarbeiten

Historischer Hintergrund

Im frühen 18. Jahrhundert gehörte der Raum, in dem die Figuren installiert sind, zu den „Königszimmern“. Er diente als kurfürstlich-königlicher Speisesaal.

Die drei berühmten Personen auf der Spiegelfläche sind tatsächlich hier gewesen, wenn auch nicht gleichzeitig: 1725 richtete August der Starke auf dem Königstein ein Fest aus. Unter den Gästen befand sich die Gräfin Anna Karolina Orzelska (1707-1769), seine uneheliche Tochter aus der Verbindung mit einer bürgerlichen Französin. August liebte die schöne und kluge Anna Karolina sehr, so dass er sie an seinen Hof holte und in den Adelsstand erhob.

Im Jahr 1728 empfing August der Starke den preußischen Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) auf dem Königstein. In der dargestellten Szene weist er dem Preußenkönig den Weg zum Johannissaal.

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